DGATP e. V., c/o Diakonieverein e. V.

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Definition der DGATP e.V. 

Aktivierend - therapeutische Pflege

Was ist Aktivierend-therapeutische Pflege?

 

Schumann, Susette

 

Im Oktober 2018 wurde die Definition der Aktivierend-therapeutischen Pflege (ATP) von der Mitgliederversammlung der Deutschen Fachgesellschaft für Aktivierend-therapeutische Pflege e.V. (DGATP) verabschiedet.

Ihre Entwicklung dauerte mehr als ein Jahr und erfolgte schrittweise : Beginnend mit einem Brainstorming, fortgesetzt mittels einer nationalen Literaturrecherche entstand eine Literaturübersicht mit Formulierung der zentralen Aussagen zur aktivierenden, ressourcenorientierten und therapeutischen Pflege in der Rehabilitation, Akut- und Langzeitversorgung. Die analysierte Literatur umfasste systematische Reviews, Fachbücher, Konzepte, Expertenbeiträge und Leistungskataloge (Literaturliste siehe Homepage der DGATP).

Die zentralen Aussagen zur aktivierenden, ressourcenorientierten und therapeutischen Pflege dienten der Inspiration zur Entwicklung einer Definition der ATP als einer Verbindung der unterschiedlichen pflegerischen Ansätze. Diese Verbindung vereint auch die Ansätze der Krankenpflege, der Altenpflege und der Heilpädagogik.

Vor der Verabschiedung der Definition und ihrer Kommentierung durchlief sie zwei Verfahren der fachlichen Konsentierung: Experten der DGATP konnten Ergänzungen, Alternativvorschläge etc. einbringen. In der Mitgliederversammlung Oktober 2018 wurde die Definition und Kommentierung ein zweites Mal in einer Gruppendiskussion konsentiert und verabschiedet.

Die nun vorliegende Definition besteht aus zwei Teilen: die Definition stellt die Besonderheiten von ATP in einer Kurzform dar. Diese werden in der Kommentierung erläutert und geben Hinweise auf die Vorgehensweise bei ATP, ihre Zielsetzung und die Qualifikationserfordernisse der Pflegenden. Die erste Version der Definition und ihre Kommentierung wird jährlich evaluiert und aktualisiert.

Definition Aktivierend-therapeutische Pflege (ATP)

Aktivierend-therapeutische Pflege (ATP) ist ein sektorenübergreifendes, alters-unabhängiges, pflegerisches Angebot von dazu qualifizierten Pflegenden. ATP fördert ressourcenorientiert die Selbstständigkeit, die Selbstbestimmung und die Teilhabe einer Person und ist an deren Lebenssituation und Lebensumfeld angepasst.

 

Kommentierung zur Definition der Aktivierend-therapeutische Pflege

ATP ist ein sektorenübergreifendes, pflegerisches Angebot für die gesamte Lebensspanne eines Menschen, d.h. von der Geburt bis zum Tod. Personen    mit einem Entwicklungs-, Unterstützungs- und Pflegebedarf haben immer einen Anspruch auf ATP.

Die Ziele von ATP orientieren sich an den individuellen Fähigkeiten und Zielen der Person. Die pflegerischen Aufgaben sind am gemeinsamen Ziel der betroffenen Personen und der Pflegenden ausgerichtet. Sie sind vorrausschauend geplant, sind in ihrer aktivierend-therapeutischen Wirkung durch Nachweise belegt und schließen die Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention mit ein.

ATP baut auf pflegefachlichen Befunden auf, fördert dadurch die Selbstständigkeit, die Selbstbestimmung und die Teilhabe einer Person und damit den Erhalt und/oder die (Wieder-)Erlangung von Kompetenzen zur persönlichen Selbstpflegefähigkeit. Das Pflegekonzept orientiert sich an einem ressourcenorientierten Menschenbild. ATP fördert bezogen auf die zu versorgenden Person die motorischen Fertigkeiten und damit die Mobilität, stimuliert die Wahrnehmung und damit die kognitiven Fähigkeiten und unterstützt die Kommunikationsfähigkeit und damit die Gestaltung von sozialen Kontakten. ATP unterstützt, fördert und fordert alle Beteiligten, also die betroffenen Personen, ihre An- und Zugehörigen oder Pflegende.

ATP-Angebote verstehen sich als Lernangebote mit dem Ziel betroffene Personen zu befähigen, ihre Alltagsaktivitäten (wieder) selbst zu gestalten. Dazu steht eine begründete Auswahl pflegerischer Interventionen incl. Information, Anleitung, Beratung, Training und Motivation zur Verfügung. ATP ist deshalb mehr als eine somatisch ausgerichtete Grund- und Behandlungspflege, denn sie regt an und motiviert zur Nutzung von körperlichen, geistigen, sozialen, emotionalen, spirituellen und ethischen Ressourcen.

ATP als dialogisches Prinzip bildet die Basis für die Beziehungsebene zwischen den betroffenen Personen, ihren An- und Zugehörigen und den Pflegenden.

ATP wird individuell und situativ gestaltet, sowie an einen sinnvollen Kontext angepasst, der die Motivation und Belastbarkeit der betroffenen Person berücksichtigt. Die betroffene Person und ihre An- und Zugehörigen bekommen dadurch Raum zum selbstbestimmten Agieren, die Pflegenden reagieren, indem sie Alternativen und Optionen zur Problemlösung anbieten. Darunter sind Anleitung, Beratung oder die Darstellung einer begründeten Auswahl ressourcenfördernder pflegerischer Interventionen zu verstehen.

ATP wirkt nachhaltig. Verlorengegangenes Selbstvertrauen in eigene körperliche, geistige, emotionale, soziale und spirituelle Ressourcen wird wieder erschlossen. Dadurch ist die betroffene Person längerfristig motiviert.

ATP beinhaltet eine sach- und fachgerechte Ausführung ressourcenfördernder Interventionen, die neben den Präferenzen der betroffenen Person auch auf einer individuellen pflegefachlichen Befundung und einer Risikoeinschätzung beruht. Damit werden gezielte Impulse für eine selbstbestimmte Bewältigung des Alltags gesetzt. Der Einsatz selbstständigkeitsfördernder Hilfs- und Unterstützungsmittel ergänzt den aktivierend-therapeutischen Ansatz.

Es bedarf qualifizierter Pflegender, um aktivierend-therapeutisch zu handeln. Darunter ist neben der fachlichen Qualifikation auch eine soziale Kompetenz, die Reflexion des eigenen Handelns aber auch die Selbstpflege zu verstehen. ATP versteht sich als ein Motivator für alle Beteiligten und bietet Pflegenden einen Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum, ist vielseitig, wirkt gesundheitsfördernd und -erhaltend.

Das pflegerische Konzept ATP ist anpassungsfähig, muss jeweils individualisiert angewandt werden und kann mit anderen aktivierenden oder rehabilitativen Konzepten, die den ATP-Ansatz unterstützen, kombiniert werden.

 

 Unter Personen werden Bewohner, Patienten, Klienten, Nutzer, Gäste etc. verstanden. Die Bezeichnung der Personen richtet sich dabei nach dem Setting, z.B. dem Krankenhaus, Pflegeeinrichtung, Pflegedienst, Hospiz etc.

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